Fotos III

Tach,
und ich habe noch mehr Fotos hochgeladen. Alles Kirgisistan.
wieder hier: http://www.flickr.com/photos/45510371@N06/sets/

Neue Fotos

Tach,
neue Fotos. Vielleicht wird es beim nächsten Mal schneller… Tschuldigung.
http://www.flickr.com/photos/45510371@N06/sets/

Berlin

Tach,
ich fange an meine Fotos hochzuladen. Erstmal die digitalen, ist natürlich einfacher. Es geht los mit Kirgisistan.
Hier geht es los: http://www.flickr.com/photos/43065313@N05/sets/72157622362590901/
Ich hoffe es klappt damit.
JohanneS

Bangkok-Berlin

Tach,
bin schon seid ner Woche wieder in berlin, aber irgendwie drängte es mich nicht so ins Internet. Ich habe nun eben auch wieder Kommunikation mit meinem Umfeld ohne Internet, ist auch angenehm.

Bangkok
Ich suche eine Folie um mein Rad einzupacken und finde sie auch. Während des Suchens fällt mir wieder auf, wie blendend die Menschen in Bangkok ENglisch sprechen. Ich kann deswegen auch kein Thailändisch. Ein anderes Reisen.
Der Verkehr ist nicht sonderlich angenehm, aber.
Später setze ich mich in einen Park und schaue bei einer Tanzshow zu, weil irgendetwas eröffnet wird. Dort beobachte ich einen Tontechniker. Und ich denke daran, dass sehr vielen Menschen, die ich auf der Reise gesehen habe, es nicht möglich ist, Tontechniker zu werden. Wobei sie vielleicht ebenso die Neigung dazu hätten, wie dieser Tontechniker hier, der irgendwie genauso aussieht, wie Tontechniker in Deutschland. Lange Haare, Handwerker, lässig und immer etwas zu organisieren.
Dann allerdings werde ich von einer Prostituierten erspäht, welche mich aggressiv anwerben will. Ich gehe weg.

Bangkok
Ein Tag für Sehenswürdigkeiten. Ich gehe ins Museum, schaue mir den Grand Palace an und den großen liegenden Buddha. Die Tempel hier sind sehr bunt, mit kleinen bunten Glasplatten. Ausserdem sind sie golden.
Ich finde es leider latent kitschig. Im Museum werden die Könige gefeiert, der darf in Thailand auch nicht kritisiert werden. Er ist sozusagen ein Heiliger und alle Könige vor ihm auch. Der jetzige macht gerne Fotos und in der Ausstellung steht, dass er unglaublich tolle Fotos macht. Ob das stimmt.
Ich esse weiterhin viel.

Berlin
Der Flug ist unglaublich schnell, aber ich bin jetzt nicht sonderlich berührt. Die Ankunft ist toll.

Berlin
Was mir hier am meisten auffiel, waren die Fahrräder. Ganz viele Menschen fahren mit den Rädern, der Verkehr ist angenehm, das Wetter ist angenehm, es gibt immer Essen, immer ein Bett, immer was zu trinken.
Schön. Ich habe auch wirklich keinen Kulturschock, auch die Menschen wirken auf mich nicht kapitalisch kalt, sondern eigentlich relativ glücklich, offen und die meisten ganz nett. Ich bin überrascht, ich hoffe meine Kritik ist nicht erstorben, aber der erste Eindruck war durchaus positiv.
Denn Berlin ist eben auch nicht Hochhauschina mit lauter Edelläden. Die Karl-Marx-Strasse ist weit weniger chic, als die Glitzerstrassen in Chinas Innenstädten. Toll sind auch die Parks, welche es in vielen anderen Städten auch nicht gibt.

Ich werde demnächst anfangen Fotos reinzustellen und auch nochmal bestimmte Eindrücke zusammenzufassen.
Kann eventuell aber noch etwas dauern.
Die Reise ist ja sozusagen auch zu Ende, schade und schön.

Khong Kaeng-Bangkok

Tach,
zwischendurch war ich in Angkor Wat.

Bangkok/THA
Ich nehme einen luxurioesen Bus nach Bangkok. Es gibt sogar Essen. Warum gibt es in Deutschland kein ueberregionales Bussystem. Unklar.
In Bangkok gibt es viele Touristen, aber irgendwie ist es nicht so unangenehm, wie in Laos. Die Thailaender sind eben reicher und die Touristen koennen in ihrer Enklave eingeschlossen werden und die Bangkoker drumherum leben.
Ich bin immer wieder erstaunt, wer alles so reist. Familien, alte Maenner (die ich immer im Verdacht habe Sextouristen zu sein), junge Freund_innen, Prolls, Ehepaare. So nen richtiger Durchschnitt.
Ich habe den Eindruck, desto abgelegener, desto netter werden die TOuristen. Fast eine Regel.

Bangkok/THA
Morgens treffe ich das katalanische Paaerchen wieder, welches ich in Taschkent getroffen hatte (neben weiteren Reisenden). Das ist natuerlich witzig und wir treffen uns zum Lunch wieder. Da hetzen wir gegen Chinesen. Irgendwie gibt es in bestimmten gebieten manchmal eine gewissen chinesische Unfreundlichkeit, die dem REisenden nicht gefaellt.
Sie fahren an den Strand und ich denke darueber nach auch zu fahren. Dann entscheide ich spontan nach Angkor Wat zu fahren.

Siemreap/CAM
Ich fahre also nach Angkor Wat mit so nem Touribusangebot. Da bin ich wie ein Schaf, immer hinterhertrotteln. Das gefaellt mir nicht und ich verliere 15 Euro beim Waehrungswechseln. Selbstbestimmt zu fahren ist doch eindeutig schoener.
Natuerlich ist es arscheinfach mit diesen Touriangeboten und auch nicht sonderlich teuer. Ich glaube Reisen erscheint zu Hause dann immer weit abenteuerlicher als es hier ist. In touristischen Gebieten ist die Fahrt von einem Land in das andere, wie das Fahren mit der Ubahn in Berlin. Nur das immer einer sagt, wann ausgestiegen werden soll.

Siemreap/CAM
Angkor Wat schaue ich mir an und das ist extrem beeindruckend. Regenwald und darin unzaehlige Tempel. Ich habe ein Rad geliehen und bin sozusagen wieder auf der Radreise. Es geht von Angkor Wat nach Angkor Thom und so weiter. Ich schaue mir bestimmt 20 Tempel an und kann sagen, dass es die beeindruckendste Sehenswuerdigkeit meiner Reise war.
Einige Tempel sind von Bauemen uerbwuchert, andere sind sogenannte Tempelhuegel und haben steile Treppen.
Ein eindeutiges Thema, was besser durch Fotos gezeigt werden kann. Ich werde nach Ende der Reise auch Fotos auf die Seite stellen und vielleicht nochmal Zusammenfassungen schreiben. So als Endbearbeitung der Reise. Verarbeitung. Und Fotos habe ich viele gemacht. Mehrere hundert. Das klingt viel. Stimmt aber.
Einige Tempel haben in den Gebaeuden Gesichter, die sich in den Waenden abzeichnen. Irgendwie kann es gespuert werden, dass diese Steine einmal heilig waren.
Ein zweites Raetsel kann ich loesen. Angelina Jolies Berufung als Pop-Mutter Theresa.
Keine Ahnung, ob es stimmt, aber Kambodscha wirkt extrem arm. Wesentlich aermer als jede andere Gegend. Und die Kinder scheinen nicht in sogenannte Schulen zu kennen, sondern alle in Angkor Wat irgendeinen Scheiss zu verkaufen. Das Verkaufsangebot wird so an eine_n herangetragen, dass ich Angst hat, dass die Kinder kurz darauf verhungerten. Sie waren zumindest kurz vor dem Weinen.
Das ist fuer die sogenannte Seele schwierig zum Aushalten und Angelina Jolie glaubte offenbar dem Missstand durch Wohltaetigkeit abhelfen zu koennen. Ich sage, es sind die Strukturen und frage mich, was ich den konkret gegen die schlimmen Strukturen machen kann, die das konkrete Kind fast zum Heulen bringen und weiss es nicht.
Abends im Guesthouse unterhaelt sich ein senegalisischer Tourist mit den homosexuellen Hotelangestellten. Einer versucht ihn konsequent anzumachen. Ich weiss nicht, ob es erfolgreich war.

Bangkok/CAM
Wieder zurueck in Bangkok. Keine_r will mein kambodschanisches Geld haben, weil offenbar die Ausfuhr verboten ist. Ausser zu sehr schlechten Raten. Naja. Geld ist sekundaer, aber staendig muss ich irgendwas bezahlen. Geht mir auf den Senkel, freue mich darauf in einer WOhnung zu sein, wo ich nicht fuer jede Schuessel Cornflakes direkt bezahlen muss.
Und nicht jede Nacht, sondern Dauerauftrag. Das empfinde ich irgendwie als angenehmer.

Vientiane-Hong Haen

Tach,
ich habe Probleme mit meinem email-Programm. Vielleicht gibt es keine emails heute. Nunja.
Wahrscheinlich habe ich aufgehoert Radzufahren. Eigentlich wollte ich noch bis Khorat fahren, aber eine Nacht im Zelt, staendiger Gegenwind, eine sechsspurige Strasse und Regen liessen mich ueberlegen, schon vorher aufzuhoeren. Unten mehr.

Udong Thani/THA
Ich hatte mich fuer Thailand entschieden. Irgendwie wollte ich Richtung Bangkok fahren und nicht einfach in irgendeine Richtung, ausserdem war ich interessiert an thailaendischem Land. Auch wenn ich wusste, dass natuerlich viel mehr Verkehr ist.
Morgens schaute ich mir eine goldene Pagode und einen Tempel in Vientiane an.
Es regnete und ich ueberquerte problemlos die Grenze. Fuer Thailand brauche ich noch nichtmal ein Visum. In Viangchang wurde mit 3 Tagen fuer ein China Visum, 2 Tage Vietnam und 1 Tag Kambodscha zu moderaten Kosten geworben. Das ist schon ein Unterschied zu den zentralasiatischen Visa. Sicherlich ein Grund warum Suedostasien so beliebt ist, Visaprobleme sind unbekannt.
Thailand ist viel entwickelter als Laos, die Strasse glich einer Autobahn. Die Haueser sind wesentlich groesser, es gibt Staedte und Supermaerkte. Die Supermarktdichte ist so gross wie seid Tschechien nicht mehr.
Allerdings gibt es ein grosses Bildungsdefizit. Zuerst versuchte ich noch die Geisterfahrer auf die richtige Strassenseite zu lotsen. Dabei wurde ich manchmal auch ein wenig ungehalten. Nach einigen Versuchen gab ich es auf und ich erkannte, dass selbst die Stadtplaner die Verkehrszeichen auf die falsche Seite malten. Was es alles gibt, hier fahren die Autos auf der falschen Seite.

vor Khon Kaen/THA
Weiter Regen und dafuer auch noch Gegenwind. Die Menschen stellen hier aber mehr Fragen als in Laos, ich werde sogar einmal eingeladen. Oha.
Wegen Gegenwind erreiche ich Khon Kaen nicht und ich darf eine weitere Nacht „Camping tropicana“ verbringen.
Versuesst wird die Nacht durch unzaehlige Muecken und eine Ameisenstrasse durch mein Zelt. Immerhin stelle ich wohl den Rekord an getoeten Muecken ein.

Khon Kaen/THA
Weiter Gegenwind und Regen. Der Nachtschweiss dazu. Schoen.
Ich vergesse sogar, dass es vielleicht meine letzten Kilometer sind. Sehr unspektakulaer.
Das Zimmer ist ueppig und ich gehe sechs Mal essen. Es gibt auch einen deutschen Kanal. Das ist spannend, denn Deutschland wirkt auf einmal auch provinziell.
In einer Doku beschweren sich deutsche Pensionaere in Spanien ueber das Gesundheitssystem. Ulla Schmidt kommt vorbei, selbstgewiss und angefahren in einem grossen Auto. Heh. Dazu sagt die Doku aber nichts.
Ja, das mit dem provinziell. Das ist natuerlich die groesste Herausforderung, wenn ich zurueckkomme. Das Radreisen ist gewiss nicht provinziell. Ich rufe mir die Stationen ins Gedaechtnis zurueck, das vermittelt mir ein Gefuehl der Erhabenheit.
Da kann anderes eben fade wirken und langweilig. Gleichzeitig merke ich schon jetzt, dass die Erinnerung bestimmte Sachen herausfallen laesst. Hunger, Erschoepfung und Sorgen spielen eine kleinere Rolle, als sie waehrend des Moments tun. Aber es ist eben spannender sich an die Erlebnisse zu erinnern, als daran, dass ich dringend pissen musste.
Meine Reise war sicherlich hart, vielleicht ist dies auch ein Grund, warum jetzt die Luft raus ist. Ich habe den Eindruck, dass es rund ist. Das ich das gesehen habe, was ich sehen wollte und sehen musste. Ausserdem ist flache Landschaft nicht sonderlich interessant zu radeln. Es sind viele Kilometer an einem Tag moeglich, aber sonst passiert nicht viel. Nen kleines Gebirge ohne tropische Temperaturen wuerde ich noch mitnehmen, aber hier ist keins in der Naehe.

Hong Haen/THA
Ich bleibe noch nen Tag in der Stadt und bewundere die Mittelschichten im Einkaufszentrum.
Komischerweise wirkt Thailand egalitaerer als China, obwohl ja eigentlich China die staatssozialistishchen Urspruenge hat.
Ueberall in Thailand gibt es Touristen, auch hier, obwohl es nicht viel zu sehen gibt. Aber sie sind eben nicht so deutlich spuerbar, wie in den kleinen Staedten in Laos. Sie gehen unter in der grossen Masse der Bevoelkerung.
Sehr aktiv sind hier die Schueler_innen. Sie bevoelkern die Internetcafes und Einkaufszentren. Sie sitzen in den Restaurants und nehmen somit die neuen Angebote an, waehrend die aelteren vielleicht noch traditioneller einkaufen oder zuhause essen. Waehrend in den Doerfern ja eher nach Familien sortiert wird, kann ich hier Freunde beobachten.
Im Gegensatz zum Iran oder der Tuerkei sind die Frauen auch relativ gleichberechtigt. Ich selbst habe fast mehr Kontakt mit Frauen als mit Maennern, wo die Maenner sind weiss ich auch nicht, vielleicht in den Fabriken, die es hier auch mehr gibt, als anderswo.
Davor stehen dann immer ganz viele Motorraeder, das Transportmittel in Suedostasien. Eben ein Symbol fuer den unteren Mittelstand.

Viangchang-Vientiane

Tach,
hier gibt es viele Orte und viel Internet. Gerade versuche ich zu entscheiden, ob ich morgen ueber die Grenze fahre oder noch in Laos bleibe. In Laos ist weniger Verkehr und es gibt auf jeden Fall billige Gasthaueser. Aber andererseits will ich auch ein neues Land sehen.
Gerade habe ich eine Seite gefunden von Leuten, die 24 Jahre gereist sind und dabei 164 Laender besucht haben. Oha. Da habe ich einiges aufzuholen. Es gibt alles immer noch ne Kante schaerfer. Es aergert sie bestimmt masslos, dass Somalia nicht besucht werden kann.
Beim Sein im Internet, fand ich einen schoenen Kommentar.
„Es ist eine Diktatur des Neides und der Versager. Die Szene sucht sich ein sozialromantisches Thema, hinter dem sie sich dann versteckt. In Berlin kämpfen die Chaoten angeblich gerade gegen die Modernisierung bestimmter Stadtteile und die daraufhin steigenden Mieten. In Wahrheit aber wollen sie den Staat und seine Organisationen attackieren, wo sie nur können.“
Koennte auch auf meine Tourismuskritik angewendet werden. Ich bin ja auch nur neidisch auf die jungen Backpacker, die nicht immer bloed mit dem Rad dazwischen radeln muessen. Sollen sie doch feiern !

Phonong/LAO
Habe das Statistikbuch nicht mit, also wird das hoffentlich nachgereicht.
Ich breche aus Viangchang auf und laechle der Sandwichfrau ein letztes Mal zu. Sie hatte mir immer eine Banane dazu geschenkt, irgendwie hatten wir eine kleine Art Minifreundschaft, waehrend die anderen betrunken auf der Strasse torkelten oder ihre Aersche zeigten, sassen wir daneben und schauten zu.
Ich ass Suppen und fand ein Gasthaus.

Vientiane/LAO
Wenn es flach ist, dann vergeht die Zeit schneller. Ich sah ein Schild, wo vor Bueffeln gewarnt wurde. Wie die Rehschilder in Deutschland. Davon machte ich ein Foto, ansonsten nicht viele. Der Reis ist weiterhin gruen und es gab ein paar Baeume. Allerdings viele Tempel neben der Strasse und alle wirken neu. Ich kam in Vientiane an, weniger Touristen und mehr Verkehr als erwartet. Eine relativ grosse Stadt, aber aermlich. Dazwischen die von Touristen beeinflussten und auch besetzten schicken Cafes. Natuerlich auch viel UN, staatliche Stellen und Unternehmen. Eben Hauptstadt.

Umwelt
„Global warming is not a joke“ las ich heute an einer Hauswand. Ne, ist es nicht.
Aber offenbar weltweit ausser auf dieser Hauswand kein besonders grosses Thema. Was mich wundert. Denn hier ist es schon heiss, zwei Grad waermer sind auch zwei Grad heisser und sicherlich nicht angenehm. Sowieso leben sehr viele Menschen in Gegenden, wo es unangenehm heiss oder tropisch ist. Die mittags nicht arbeiten koennen wegen der Hitze oder schlecht schlafen. Da sind die Prophezeiungen noch viel besorgniserregender als im gemaessigten Deutschland. Die Menschen sind natuerlich auch viel staerker von der Landwirtschaft und damit vom Klima abhaengig. Aber ihre Perspektive reicht eben nur bis zum naechsten Marktplatz und der naechsten Ernte. das ist verherrend.
So koennen die Mittelschichten und die MEtropolen weiter die Welt Richtung Abgrund treiben und alle schauen zu. Die einzige REaktion ist die Installation von noch mehr Ventilatoren und Klimaanlagen. Das macht es selbstredend noch schlimmer.
Ausser diesen Wandspruch sah ich nicht viel, was zeigen koennte, dass die Menschheit gerade krampfhaft versucht den Klimawandel aufzuhalten. Es scheint eher, dass sie einfach zusehen. Ziemlich grosse Trottel.
(Der Inder neben mir kann mit dem Computer nicht umgehen. Seid einer halben Stunde sagt er Hallo ? Hallo ? in sein Mikrofon. Das ist wie ein tropfender Wasserhahn.)
Diese Trottel haben auch schon weitgehend jede urspruengliche Natur zerstoert. Ich habe nicht viele Waelder oder wilde Landschaften gesehen, das meiste ist vom Menschen gezuegelt oder Oedland.
Hier in Laos brennen die Menschen gerne den Regenwald ab. Auch wenn es auf den Fotos wie Wald aussehen mag, ist das nur nachgewachsener Busch, richtigen Wald habe ich nur sehr selten gesehen. Teilweise gibt es nur wenige Doerfer, aber diese koennen offenbar ein riesiges Gebiet abfackeln. Herzlichen Glueckwunsch !
In anderen fruchtbaren Gebieten war sowieso ueberhaupt kein Wald mehr zu sehen. Felder und Doerfer.
Der Mensch haelt sich nur aus den Gegenden zurueck, wo sowieso nichts wachsen kann. Wueste und Hochgebirge.
Was ich gesehen habe, ist natuerlich auch nur begrenzt. Die Strasse, die ich fahre, bedeutet ja schon eine Entwicklung. Aber im Gebirge geht mein Blick weit und die tausenden Kilometer, die ich gefahren bin, erlauben doch eine Aussage.
Der Mensch ist bis in den letzten Winkel der Natur vorgedrungen und jetzt zerstoert er auch noch das Klima. Das ist ein gefaehrliches Spiel, nicht viel Platz zum Ausweichen.

Luang Prabang-Viangchang

Tach,
nach ner Zeit wirkt alles anders. Ich bin nun zwei Tage in Viangchang gewesen, irgendwie hatte ich Lust auf Ruhe.

Xiangkiew/LAO
84km, 1700hoch, 1212max, vielleicht 8h
Morgens fahre ich raus aus Luang Prabang. Lust die Doerfer zu sehen. In Laos sehe ich jeden Tag Touristen. Wenigstens in den Bussen. Es gibt richtige Touristenbusse, Busse wo nur Touristen drinsitzen. Ich schaetze, dass ungefaehr 40 Prozent des Ueberlandverkehrs Touristentransporte sind. Die Doerfer dazwischen sind aber kaum touristisch, die Busse fahren einfach durch. Es gibt Anstiege an diesem Tag und abends treffe ich japanische Radler im Uebernachtungskaff. Die sind freundlich.

hinter Phonong/LAO
6h, 80km, 1090hoch, 1582max
Der Tacho macht nicht richtig mit, aber es geht schon. Es ist weiterhin gebirgig, ich hatte es flacher erwartet. Ich entscheide mich gegen das Bleiben in einem Ort, weil ich ein weiteres Guesthouse erwartete. Das war aber sehr teuer und so habe ich nochmals eine Nacht im Zelt. Unangenehm. Selbstredend.

Viangchang/LAO
6h, 80km, 576hoch, 898max
Die Landschaft ist beeindruckend. Karstige Huegel, Reisfelder, es erinnert an die Landschaft um Guilin in China. Wirklich sehr huebsch. Ab und an gibt es einen Tempel und viele Doerfer. Keine Angst zu verhungern hier.
Bei einem Essen werde ich gefragt, ob ich nicht mir die Schule angucken will. Ich soll mit den Schuelern Englisch reden. Die Schule sieht aus, wie ich mir eine arme Schule vorstelle. Unten im Keller, eine Tafel und gemischte Generationen. Der Lehrer ist offenbar auch nur teilweise anwesend. Interessant.
Dann komme ich nach Viangchang.

Viangchang/LAO
Die einheimischen hier in Viangchang haben eine urige Sitte. Sie setzen sich in Ringe und fahren damit den Fluss herunter. Ansonsten geniessen sie den Tag und sitzen in Restaurants herum. Gerne laufen sie halbnackt oder betrunken durch die Stadt. Diener gibt es auch.
Warum ich einen Ruhetag und dann auch noch einen zweiten im allerletzten Touristenkaff auswaehle, ist eine gute Frage. Ich fuehlte mich danach.
An diesem Tag setze ich mich aber nicht in einen Ring und trinke Bier, sondern lese ein Buch. Eins, das in einem Cafe liegt. Sozusagen von Sonnenauf-bis Sonnenuntergang. Ich geniesse das unbegrenzte Lesen, das einfachnursitzen.

Viangchang/LAO
Auch hier lese ich wieder viel. Trinke einen Milchshake und esse. Ich habe mich daran gewoehnt, dass dies eine Stadt fuer Touristen ist. Im uebrigen sind eigentlich alle groesseren laotischen Staedte von Touristen bewohnt. Es ist hier nicht nur eine Enklave in der Stadt, eine bemerkbare Minderheit.
Die Innenstadt ist vollstaendig in westlicher Hand. Ein Ticketbuero, ein Internetcafe, ein Restaurant mit Pizzaangeboten, ein Restaurant mit hebraischer Speisekarte, ein Hotel, ein Guesthouse. usw.
Die gesamte Infrastruktur der Stadt, das Herz, alles ist fuer Touristen. Und im Gegensatz zu Luang Prabang gibt es keine Sehenswuerdigkeiten. Die Leute setzen sich in diese Ringe und trinken viel Bier. Alles erinnert mich an einen Schulausflug. Die Maedchen, die nicht wissen, wann es genug ist mit dem Bier, die groelenden sich selbst findenden Jungs, die stolz ihren nackten Oberkoerper praesentieren, die schlammbeschmierten Maedchen mit extrem weit ausgeschnittenen Oberteilen, die ihre heisere Stimme bewundern.
Es ist fuer mich interessant in laos zu fahren, ein Kulturschock folgt dem naechsten. Ich bin in der Touristenstadt und dann wieder auf dem Land. Dann kommt wieder die Stadt.
Das Interessant ist, dass offenbar relativ viele ihren gesamten Urlaub in diesen Staedten verbringen. So ist auf jeden Fall der Kontakt zur Lokalbevoelkerung hoechstens minimal.
Ich denke nicht, dass ich glaube, dass diese Art von Reisen irgendeinen Sinn macht. Bier gibt es auch in Europa und sogar in Amerika. Die Fluege sind eindeutig zu billig.
Ich empfinde diese Art von Tourismus schon als eine Art von Neukolonialismus. Gerade fuhr im uebrigen ein Tucktuck mit zehn laut singenden nur auesserst spaerlich bekleideten sich freuenden Touristen vorbei. Er bestimmt in weiten Teilen von Suedostasien und von vielen weiteren auserwaehlten Gebieten die Wirtschaft, die Gesellschaft und die Menschen. Natuerlich werden sie nicht gezwungen, es gibt keinen boesen Touristenaufseher. Aber die tolle Wirkung von Geld und Armut tut ihr uebriges.
Es ist eine Kurzzeitgesellschaft, die zusammentrifft. Die Diener, die bleiben, die Gaeste, die wechseln. Immer nur kurze Kontakte, keine Verantwortung, immer nur schoen kaufen und feiern. Die hier schon vorhandenen Zeichen von Sextourismus sind sozusagen nur die Spitze des Eisbergs, die extremste Form.
Ich denke immer, welche Form von Aktion die Hedonistische Internationale an einem Partyort wie Viangchang vorschlagen wuerde. Der Slogan Her mit dem Schoenen Leben und ein tanzender Demozug wuerden bestimmt begeistert von den anwesenden Partygaesten begruesst und verpuffen somit. An so einem Ort wie hier, da wird eben die gewisse Hohlheit einer hedonischen Herangehensweise deutlich, die selbstredend auch ihre Zeit und ihren Ort haben kann.
Aber gleichzeitig habe ich natuerlich auch viele Dinge mit den anwesenden Schueler_innen gemein. Trinken, reden, das Leben geniessen und Spass haben, das tue ich selber gerne. Ich schaue die selben Filme und habe ein aehnliches Leben. Trotzdem habe ich meine Reise nicht als Dauerparty angesehen (was sicherlich auch auesserst schwierig zu realisieren gewesen waere). Ich spuere eben eine Differenz, eine Traurigkeit, dass die in Freiheitsetzung, die Bewegungsfreiheit, die einige geniessen, in relativer tumber Weise genutzt werden.
Ich habe nichts dagegen, wenn die Menschen entscheiden wuerden Badekleidung waere nun angebracht in der Stadt zu tragen, oder auf der Strasse lange zu feiern. Aber dann moechte ich sehen, wie die gleichen Jungs nun barfuss durch Bochum laufen oder die Strassenparty gegen die anrueckenden Bullen verteidigen.
Es ist eben ein eindeutiges Zeichen fuer die so praktische Trennung von Arbeit und Freizeit. Gesittet das VWL-Studium und das spaetere Spiessbuergerleben ableisten und an den Samstagen und Sommerferien in der Ferne mal richtig die Sau rauslassen. Freiheit auf Zeit, Freiheit auf Kosten anderer.

Mengla-Luang Prabang

Tach,
wieder ging etwas schneller als ich dachte. Ich bin wieder im Westen angekommen, geographisch bin ich zwar in Suedostasien, aber ansonsten ist hier kaum noch Laos angesagt. Weiter unten werde ich mal so richtig hetzen.
Ansonsten bin ich etwas muede vom Radeln, obwohl mich der heutige Hass wieder so richtig auf Doerfer neugierig gemacht hat. Morgen gibt es dann zwei Paesse, in der Hitze, es sind die letzten Berge. Werde wahrscheinlich noch laenger in Laos fahren, Strassen sind gut, weit besser als erwartet und kein Verkehr. Nur Essen ist problematisch. Die Portionen sind klein und nicht billig. Also esse ich viele Fruechte, aber wenn ich sehr viele Ananas esse, dann blutet der Mund. Aha.
Nach der Strecke in Laos fahre ich rueber nach Thailand, und dort nicht lange mit dem Rad, sondern die letzte Strecke dann Bus. Dann bin ich im Touristenparadies schlechthin angelangt, Bangkok. Ein paar Tage Akklimatisierung und dann weg.

Mengla/CHN
5h, 69km, 1196hoch, 1354max
Ja morgens noch ein Pass, ich schwitze und lasse mich auf ein Bad einladen. Dort wurde ich dann bestohlen, wahrscheinlich.

Nam Xan/LAO
6h, 96km, 632hoch, 1106max
Fast flache Strecke, autobahnaehnlich. Ich fliege bis zur Grenze und die ist sehr klein. Kaum Militaer, kaum Kontrollen, ganz anders als die vielen Grenzen davor. Das Visum kriege ich auch an der Grenze, sofort. Es koennte so einfach sein.
Hinter der Grenze gehe ich Essen und fuehle mich wie ein Anfaenger. Erstmals seid langer Zeit kann ich die Sprache nicht, kenne weder Hallo noch Bitte. Also zeige und laechle ich. Es gibt Suppe.
Danach fahre ich beschwingt weiter, neues Land, schoene Haueser, gute Strasse. Es macht richtig Spass. Als es zu regnet anfaengt, kehre ich ein. Ich sitze im Restaurant, das auch ein Guesthouse ist und schaue in den Regen. Und lese. Angenehm.

hinter Ouroaumaxyakjsdfh/LAO
7h, 86km 1351hoch, 1422max
Auch morgen gibt es Regen und eigentlich den ganzen Tag immer wieder. Mittags trinke ich mit Jugendlichen ein wenig Bier und sehe mir die Tropfen an. In Laos winken immer die Kinder. Wenn ich mich dem Dorf naehere, kommen sie von allen Seiten an die Strasse gelaufen und lachen, winken und rufen. Manchmal wollen sie auch abgeklatscht werden.
Das ist sehr nett fuer mich. Auch die Erwachsenen laecheln und gruessen. So ist es immer eine grosse Freude in ein Dorf zu kommen. Sabadi. Byebye. Auch die ganz kleinen Kinder winken ganz tapfer. Es ist wirklich ein Genuss.

Pak Mong/LAO
3h, 48km, 585hoch, 1473max
Morgens treffe ich Radler und spaeter auch noch welche. Es geht weit runter und ich bleibe lange in nem kleinen Dorf. Kein Bock auf Zelten und Bock auf Lesen und Rumhaengen. Also esse ich Mangos, Banananen, Ananas und ein paar Suppen.
Die Radler von abends wohnen gerade in Ho-Chi-Minh-Stadt. Also leben im Ausland, auf englisch abroad. Das klingt wie abendbrot. das wollte ich unbedingt schreiben, das mit dem Abendbrot. Warum auch immer. Gerade muss ich lachen.
Also ich wollte eigentlich mit ihnen darueber diskutieren, aber traute mich nur halb. Immerhin wuerde ich ja ihren Lebensstil angreifen. Weil eigentlich ist das im Ausland leben ja noch die Stufe hoeher zum Radeln. Aber ich moechte nicht im Ausland leben und halte es auch fuer so nen privatistisches Wegfliehen vor den zu aendernden Zustaenden. Sie meinten dann auch, dass sie immer die Staedte noch einiger Zeit verlassen wollen. Der flexible Mensch.
Und als ich was ueber soziale Zusammenhaenge sagte, meinten sie ihre Freunde wuerden auch alle im Ausland leben. Na super. Auf jeden Fall haben die abroad-Leutchen auch immer keinen Kontakt zur einheimischen Bevoelkerung. ist auch schwierig. Aber ist natuerlich auch toll im Ausland zu leben. Bereichernd, Kulturkontakt und so weiter. Aber ich haette gerne darueber mit ihnen diskutiert. Das wollte ich nur andeuten.

Luang Prabang/LAO
7h, 119km, 670hoch, 632max
Ein richtig langer Radtag mal wieder und weitgehend flach. Ein betrunkener Offizieler bietet mir auesserst belustigt Schnaps an und ich gruesse viele Leute. Aber Fragen haben sie hier nicht soviele und es gibt auch keinen Chai. Aber wirklich sehr nettes Gruessen.
Es gibt weiterhin Reisfelder, Fluesse und manchmal Berge, aber meist Huegel. Die klassischen Wasserbueffel wandern herum. Uebrigens meist nur zwei, drei. Und immer ein mensch dabei. Sie sind offenbar wertvoll. Sonst keine Hirten, keine Schafe. In den Doerfern laufen schwarze SChweine und Huehner herum. Die Leute sind wesentlich chilliger als die Chinesen. Scheinen weniger zu arbeiten. Sitzen im Dorf herum, reden, trinken und schwatzen. Also wirklich ein kleines tropisches Paradies. Allerdings ist Fernsehen wie auch in China wichtiger, also muss ich meinen Beitrag, den ich mal schrieb, etwas abschwaechen.
Abends komme ich in Luang Prabang an.

Luang Prabang/LAO
Yeah. Da sind wir. Ich hatte mich ein wenig auf den Ort gefreut und jetzt freue ich mich darauf mal so richtig schimpfen zu koennen.
Es sind Unmengen von Touristen hier. Der Ort ist nicht mehr Laos. Es ist Prenzlauer Berg. Genauso halbschick, genauso hohl und leer.
Es ist die absolute Gentrifizierung. Die Haueser werden aufgehuebscht und die Bewohner muessen sonstwohin ziehen. Stattdesen kommen Kurzbesucher und verwandeln die Stadt in einen Souvenirladen.
Ich schrieb einmal etwas ueber den fehlenden kritischen Geist der Chinesen. Hier spuere ich keinen fehlenden kritischen Geist, sondern an sich vollkommene Hirnlosigkeit.
Die Jungs laufen gerne ohne T-Shirt durch die Strassen, die eineiigen australischen Zwillinge halten mal eben die beiden Moenche an, natuerlich fuer ein Foto. Wenn der Papayasaft nicht mehr da ist, dann wird die englische Touristin auch mal schnell sauer. Kein Laecheln, immer hart handeln und eben Urlaub. Was gibt es hier schoenes, hier ein Saft, dort ein Souvenir gekauft.
Im reinen Kapitalismus sozialisierte Menschen nehmen die Welt eben nur noch als ein Einkaufszentrum wahr. Sodann ist Laos eben ein besonders exotisches Einkaufszentrum. Die Fruechte billiger als bei der Obsttheke bei Edeka und die Kneipen irgendwie exotischer.
Das dazwischen auch noch vereinzelte Laoten herumlaufen, ist kaum interessant. Hoechstens dass deren Englisch schlecht ist oder wenn sie als Fotomotiv in Frage kommen. Ansonsten wird hier die Ungerechtigkeit der bestehenden Weltwirtschaftsordnung mal auesserst deutlich vor augen gefuehert. Waehrend in der Hitze die Laoten schwitzend Hotels bauen, hinter Kleidungsstaenden stehen oder als schicker Kellner in den schicken Restaurants stehen, streifen die weissen Westler herum und verteilen Geld. Sie hams ja.
Der Kapitalismus war schon immer gut darin Sklaverei in mildere Formen zu verpacken und die Laoten sind so arschfreundlich, dass sie fast sogar noch gute Laune in dieser grossen Scheisse haben. Dienend.
Und die Kroenung ist selbstredend, dass ich selbst ein Teil der versklavenden Urlaubsmassen bin. Zwar irgendwie 2.0 oder deluxe oder surplus oder was auch immer, aber genauso Teil. Und fahre sogar noch ins letzte Kaff.
Auch in Usbekistan gab es viele Touristen, aber sie waren in Bussen und Mittelklassehotels verpackt und verschiffbar. Hier sind es allerdings sogenannte Backpacker.
Alternativ angezogen und offenbar ein selten leeres Hirn. Der Vater mit dem Kind auf Erholungsurlaub, die kulturinteressierte Franzoesin, die saufenden Englaender, die Party-Israelis, die ueberforderten alten Deutschen, die angesagten Spanier. Und ich darin.
Heijeijei. Als die Leute dann anfingen halb nackt durch die Stadt zu laufen, natuerlich immer mit Sonnenbrille und dem typischen halbgelangweilten Backpackerblick, da dachte ich, schade dass Knieschuesse seid Tarek Mousli aus dem politischen Alltag verschwunden sind. Das ist selbstredend viel zu dick aufgetragen, diese Aussage. Und hat auch irgendwie keinen Bezug zu Laos.
Aber ich wollte mal so richtig Verachtung zeigen duerfen. Hatte ich nicht viel davon, von der Verachtung. Waere auch ueberhaupt nicht angebracht gewesen. Jetzt ist es aber.
Und ich hatte eben heute den Kulturschock. Sozusagen die Rueckkehr, die Besinnung auf meine Gesellschaft, den Spiegel, in denen iranische Gastfreundschaft, usbekische Neugierde und laotisches Laecheln irgendwas in mir in Bezug auf die Leute in der mich umgebenden Gesellschaft ausloesen. Ich sah nicht viel grausige Armut und dachte vielleicht, dass ich das Dekadenzgefuehl vielleicht nicht kriegen wuerde.
Aber ich habe es und zwar stark. DEKADENZ.
Auf dem Kleidermarkt sitzen die laotischen Frauen auf dem Boden, die blonden Touristen schwirren umher. Stehend. schauen sie runter. Und tippen genervt Zahlen auf den Taschenrechner.
Die Stadt ist nichts mehr anderes, als Touristen. Jedes Restaurant, jedes Haus, alles dient ihnen. Die Einwohner sind nichts mehr anders, haben nichts mehr anders, als Diener zu sein. Ihre letzten Imbisse sind an den Rand gedraengt, ein eigenes soziales Leben tot.
Der globale Kapitalismus hat sich ein Paradies geschaffen. Ein Urlaubsparadies. Herzlichen Glueckwunsch.
Und wenn die globale Mittelklasse, die reichen Chinesen und Inder mal so richtig alle losreisen werden, dann wird es schoen werden. Arme Minderheiten und Randvoelker duerfen dann ganz offiziell und sichtbar das tun, was sie sowieso tun: dienen. Den Reichtum und Genuss der anderen erschuften.
Es ist ein absolutes Erlebnis, wie diese jungen Menschen mit den Laoten umgehen. Der Ton in einem amerikanischen Herrenhaus des 19. Jahrhunderts gegenueber den Sklaven duerfte kaum anders gewesen sein.

Differenz
Die Laoten laecheln, die Iraner schenken, die Usbeken fragen. Das ist ja ganz interessant, aber natuerlich politisch unkorrekt.
Und die grundlegende Erfahrung des Reisens war auch, dass sich die Menschen eben nicht gut in irgendwelche Regional oder Nationalschubladen einsortieren lassen. Ueberall gibt es nette, ueberall gibt es auch doffe Leute, die stehlen. Heh.
In der Tuerkei war ich bei den Hirten, wo auf einmal die Frauen rauchten und nicht untergeordnet waren. So etwas ist mir haeufig passiert, es gibt ueberall menschen, die dem gesellschaftlichen Normalzustand entfliehen, die anders leben. Jede_r kann sich in den Umstaenden ein klein wenig entscheiden, kann eigene Akzente setzen. Aber natuerlich sind die gesellschaftlichen Zwaenge vorhanden. Sehr haeufig wurde ich im Iran nicht auf einen Schnaps eingeladen oder von Frauen angesprochen. Einfach nicht moeglich.
Ich moechte jetzt hier nicht irgendwelche Charaktertypen beschreiben oder Menschenkategorien erstellen. Aber ich traf ueberall menschen, die mir irgendwie sehr nahe waren. Die Radler in Shahin Dez, auf dem Pass in Kirgisistan oder der gastfreundliche Chinesen. Immer wieder spuerte ich eine tiefe Grunduebereinstimmung, dankbarkeit, soetwas wie Freundschaft.
Diese Grunduebereinstimmung fehlt gegenueber den Prenzlauer Berg Horden.
Aber auch in Berlin gibt es nette Menschen.

Missgeschicke
Wollte ich immer mal erwaehnen. Die Top 3:
1. Ich gehe in Sary-Tash in Kirgisistan einkaufen und unterhale mich ein wenig mit der freundlichen Frau. Ansonsten war Sary-Tash ja wirklich ein schreckliches Kaff. Als ich ging, stecke ich meine Handschuhe ein. Die Frau schien irgendwie unzufrieden und zeigte auf meine Handschuhe. ich dachte, sie faende sie dreckig und wollte sie wegschmeissen. Ich wehrte ihren Versuch ab. Nach einer kurzen Weile realisiert ich, dass es nicht meine, sondern ihre Handschuhe waren, die ich in der Hand hatte. Oh. Meine sahen gleich aus, hatte ich ja auch in Kazarman gekauft.
2. Im Dunklen Zaehneputzen ist kein Problem. Draussen regnete es. Ich war an der Schwarzmeerkueste. Allerdings hatte ich erst kuerzlich die Rei-Waschmitteltube von Julia bekommen. Die Verwechslung der Tuben bescherte mir einen auesserst schlechten Geschmack im Mund.
3. Noch schlechter war der Geschmack der Limonade in Osh. Ich speite ihn direkt wieder aus und wunderte mich, wie schnell er offenbar schlecht werden konnte. Dann erinnerte ich mich, dass im Zimmer kein Klo gewesen war. Ich hatte also in die Flasche uriniert und das am Morgen vergessen. Das war kein Orangensaft und ich hatte offenbar zu wenig getrunken. Denn die Pisse schmeckte auesserst schlecht.
und noch 4. Das Oeffnen des Chiliketchups im Iran war nicht einfach. Ich drueckte und hatte ihn in den Augen. Blind tastete ich nach dem Wasser und machte das, was ich nach Pfeffersprayattacken gesehen hatte. Dann konnte ich wieder sehen.

Xinjiang
Mein Kommentar zu der deutschen Berichterstattung zu Xinjiang.
Es ist immer wieder erstaunlich, wie brennende Autos, Entglasungen und Barrikaden in anderen Laendern in der deutschen Presse haeufig als der Aufstand der Anstaendigen erscheinen, waehrend es in Deutschland selbstredend total unangebracht ist.
Wenn in der deutschen Presse von den toten der Riots gesprochen wird, wirkt es meist so, als haette die chinesische Polizei sie alle um die Ecke gebracht. Es wirkt irgendwie so. Auch bei den Protesten in den Tibet und im Iran wird aehnlich berichtet.
Aber gerade in Xinjiang war es meiner Meinung nach tatsaechlich so, dass die Uiguren viele Hanchinesen getoetet haben. Das liegt natuerlich an ihrer Benachteiligung, ist aber trotzdem scheisse. Das ist aber nicht das interessante, das interessante ist die deutsche Presse.
Waehrend die Chinesen Aufstaende insgesamt nicht moegen, weil sie ein Stoeren des sozialen Friedens darstellen, gibt es in Deutschland mittlerweile gute und boese Aufstaende.
Damit wird aber das Aufstandsbild an sich ploetzlich angesagt, zwar ist nur die tibetische Barrikade eine gute Barrikade, aber immerhin leuchten die Barrikaden irgendwie auf.
Das mag an weltpolitischen, wir machen Chinafertig-Erwaegungen liegen, liegt aber auch an irgendwelchen untergruendigen „die Presse schaut nach den Barrikaden“-Gefuehlen. Hierbei sind auch die Spiegelonlinevideos von linken Aktionen interessant. Natuerlich verurteilt der Sprecher dann die Aktionen, aber die Bilder entwickeln eine eigene Sprache.
So spielt die Presse mit der simplen „die werden unterdrueckt und deswegen duerfen sie sich auch wehren“-Schablone ein gefaeherliches Spiel. Welche Barrikade jetzt gut und welche boese ist, koennte auch anders definiert werden.
Da ist der chinesische Weg, es erstmal zu ignorieren und wenn es nicht mehr zu ignorieren ist, mit Bildern von Leuten zuzudecken, die Harmonie ganz toll finden und helfenden Aerzten konsequenter und weniger gefaehrlich.

unbekannt-Mengla

Tach,
na super. Irgendwann in den letzten Tagen wurden mir 100 Dollar stibizt. Mein Tip: Heute beim Schwimmen im Wasserfall. Ich konnte zwar meine Sachen sehen, aber achtete nicht jede Sekunde auf die Jungs. Ein Fehler offenbar. Ich bin offenbar zu vertrauensselig. Nun muss ich hier irgendwie an Geld kommen. Ich hoffe das klappt. Aergerlich ist das aber immer bestohlen zu werden. Langsam reichts.
Die Landschaft ist leider auch njcht so Bonbon wie erwartet. Es ist naemlich sehr huegelig. Die tropischen Temperaturen sind dann eine zusaetzliche Erschwernis.
Morgen geht es hoffentlich nach Laos, werde versuchen mir hier GEld zu organisieren. Habe nur noch so 100 Euro in Yuan. Und das Visum kostet ja auch noch. Noch keinen ATM gefunden, aber in Mohan soll es einen geben.

weit hinter Yuanyang/CHN
5h, 84km, 582hoch, 1822max
Morgens gibt es noch eine Abfahrt. Ich lande in einem Dorf und dort ist Markt. Das ist beeindruckend, denn in der Gegend leben Minderheiten. Die werden so genannt, Minderheiten.
Und die haben so eigene Kleidung, je nach Dorf. Also kommen dann zehn Damen ganz in schwarz mit riesigen schwarzen Huetten in rosa Halstuechern und haben ein bestimmtes Gemuese dabei. Dann kommen die blauen Damen, mit kleineren Kopfbedeckungen. Und es gibt noch die mit den bunten Taschen. Die mit den rosa Kopftuechern. Die einen haben SChweine, andere Huehner dabei. Es gibt Staende fuer die Traditionskleidung und fuer Stoffe. Wie in einer anderen Welt. Mich erinnert es an Star Wars. Die unterschiedlichen Leute von den Planeten. Sehen auch gleich aus. Waere auch ne Idee fuer Berlin. Alle aus Neukoelln ziehen das gleiche an. Heh.
Dann geht es hoch und ich nehme ein Mitnahmeangebot an. Der junge Chinese laedt mich auch noch zum Essen ein.
In der Stadt suche ich Malariaprophylaxe. Der Medikamentenname hatte in meinem Kopf ueberlebt. Malaria zu erklaeren scheitert, der Name sagt dem Doktor im Krankenhaus aber was. Er ist sehr hilfsbereit, wir eilen durch die Gaenge mit den kranken Minderheiten und irgendwann habe ich das Medikament. Yeah.
Spaeter lande ich in einem kleinen Dorf mit tollen Reisfeldern, wieder und einem Internetcafe. Kurz darauf nehme ich eine Schlafeinladung ein. Zum Bier tanzen im Fernseher die Minderheiten. Spaeter werden sie wilder, zum Lied Put the Hands up in the Air. Witzig. Am naechsten Tag muss ich fuer die Bleibe aber bezahlen. Naja.

vor Jiangcheng/CHN
8h, 99km, 1770hoch, 1944max
Kein Schummeln heute und das ergibt 1770 Hoehenmeter. Allerdings gibt es starken Regen. Das ist bei einem Anstieg hier schoener als Sonne. Komisch. Es geht hoch und runter. Am Wegesrand sitzt ein Schizophrener. Erst redet er wie eine Frau, dann ganz tief.
Abends finde ich wieder keinen Platz. Ist eben ueberall steil. Also lasse ich mich einladen.

hinter Jiangcheng/CHN
6h, 84km, 1264hoch, 1743max
In der Erinnerung gleichen sich die Tage. Nie ein flaches Stueck, ich bin immer in Anstiegen und dann gibt es tolle Abfahrten. Einmal war die Strecke schlecht, war es an diesem Tag. Ich weiss es schon nicht mehr. Wie wird das in einigen Jahren sein, dann ist alles ein Yunnanbrei. Die Staedte sind dann auch nicht so besonders.
Abends war es besonders. Ich gehe essen, so Jugendliche sprechen mich an und sagen ich solle bleiben. Die Jugendlichen erinneren mich an Poloshirtmaenner und blondierte Frauen in Deutschland. Leicht unecht, leicht reich, leicht hohl. Allerdings nehme ich die Einladung an und lande damit beim Ladenbesitzer. Der ist zurueckhaltend und supernett. Der beste Gastgeber, den ich mir vorstellen kann.
Im riesigen Traditionshaus gibt es Mangos, er zeigt mir das Dorf, die in Traditionskleidung steckenden alten Tanten sind freundlich, die Uebungen zum Traditionstanz am Abend beeindruckend. Er schreibt mir sogar auf, was Klo auf chinesisch heisst. Naja, kann ich schlecht beschreiben. aber ich fuehle mich sehr wohl und er ist super hilfsbereit, aber nicht aufdringlich. Als haette er Gastgeberkunde studiert.

vor Mengla/CHN
7h, 103km, 1541hoch, 1450max
Morgens breche ich frueh auf. In den Essenspausen lese ich viel. Es gibt Huegel nach Huegel. Ich schlage frueh das Zelt auf. Aber kann nicht schlafen. Es ist heiss, tropisch, schwuel. Alle Sachen sind feucht und trocknen nicht mehr. Ich schwitze im Zelt, draussen sind die Muecken.
Spaeter fahren auch noch Mofas den kleinen Waldweg entlang. Wieder wache ich auf. Sorge um meine Sachen. Eine scheiss Nacht, ich sage mir, dass ich nun Hotels nehme.